• 29.10.2015
  • Medienmitteilung
  • EKK

Ein kühler September verhindert erneute Rekordschmelze

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Obwohl die Gletscher der Schweizer Alpen noch im Mai 2015 gut genährt an den Start gingen, führte der heisse Juli und August zu einer extremen Gletscherschmelze. Nur die Abkühlung Mitte August und im September verhinderte neue Rekordwerte. Dies berichtet die Expertenkommission für Kryosphärenmessnetze der Akademie der Naturwissenschaften am Donnerstag.

Der Winter 2014/15 war im Gebirge einmal mehr durch regionale Unterschiede ge-prägt. Auf der Alpensüdseite sorgten drei kräftige Starkschneefälle bereits in der ersten Novemberhälfte für sehr viel Schnee. So lag z.B. auf 2500 m am Wenghorn beim Simplonpass Mitte November bereits eine 250 cm dicke Schneedecke. Diese überdurchschnittlichen Schneehöhen auf der Alpensüdseite blieben bis zum Som-merbeginn erhalten. Im restlichen Gebiet konnten Mitte April fast überall durch-schnittliche Schneehöhen festgestellt werden. Nach Mitte Mai führten 50 bis 100 cm Neuschnee am Alpennordhang und in Graubünden für überdurchschnittliche Schneehöhen oberhalb 2000 m. Der Juni war zu Beginn und am Ende durch eine hohe Nullgradgrenze (nahe 4000 m), im mittleren Monatsdrittel aber durch Schnee-fall bis hinunter auf 2000 m geprägt. Somit gab die Schneedecke erst mit Beginn der Hitzeperiode im Juli die Gletscher wieder frei. Das heisse und stabile Sommer-wetter, das mit nur wenigen Unterbrüchen bis Mitte August anhielt, führte dann aber zu aussergewöhnlich starker Gletscherschmelze. Im Juli und August konnte auf dem 2540 m hohen Weissfluhjoch kein einziger Neuschneetag verzeichnet werden, was in der knapp 80-jährigen Messreihe erst einmal vorgekommen ist. Dank einer markanten Abkühlung mit Neuschneefällen oberhalb von 2800 m in der zweiten Augusthälfte, sowie bis hinunter auf 2000 m im September wurde diese Phase star-ker Massenverluste schliesslich beendet.

Die Massenbilanz wurde im hydrologischen Jahr 2014/15 für 21 Schweizer Gletscher bestimmt. Auf den meisten Gletschern wurde Ende April sowohl die Schneemenge im Winter, als auch Ende September die Schmelze während des Sommers ermittelt. Die Unterschiede der Massenbilanz von Gletscher zu Glet-scher sind dieses Jahr besonders gross und es gibt kein klares räumliches Muster. Am wenigsten dramatisch fiel die Schmelze mit einem mittleren Eisdi-ckenverlust von rund 70 cm im südlichen Wallis aus (Findelengletscher, Allalingletscher). Dagegen haben die Gletscher zwischen Berner Oberland und Wallis sehr stark gelitten. Es wurden extreme mittlere Dickenverluste von über 250 cm (Glacier du Tsanfleuron, Glacier de la Plaine Morte) festgestellt. Für die meisten vermessenen Gletscher, sowohl auf der Alpennord-, wie auch auf der Alpensüdseite, betragen die Dickenverluste zwischen 100 und 200 cm. Kleinere Gletscher in tieferen Lagen waren durch die Hitzeperiode am stärksten betrof-fen, da ihnen der schützende Winterschnee schon während des Julis komplett weggeschmolzen war.

Auf alle Gletscher der Schweiz übertragen, ergibt sich für das hydrologische Jahr 2014/2015 ein geschätzter Volumenverlust von 1‘300 Millionen Kubikme-tern Eis. Dies entspricht einer Verminderung des aktuell noch vorhandenen Gletschervolumens um fast 2.5 Prozent. Obwohl die Gletscherschmelze damit klar überdurchschnittlich war, wurden die Rekordwerte des Hitzesommers 2003 nicht erreicht – damals verschwanden 4 bis 5 Prozent der damaligen Eisreser-ven. Die Massenbilanz der Schweizer Gletscher liegt dieses Jahr in einem ähn-lichen Rahmen wie in den ebenfalls sehr negativen Jahren 2006 und 2011.

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Ausgehend vom Ursprung des Wasserreichtums der Schweiz – dem Niederschlag, welcher in den Alpen besonders hoch ausfällt – werden verschiedenste relevante hydrologische, wasserwirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Aspekte der Gewässer und ihrer Abflüsse betrachtet. Da ein grosser Teil des Niederschlags in fester Form fällt, spielt die Wasserspeicherung in der Schneedecke und in den Gletschern eine wichtige Rolle für die jahreszeitliche Verteilung der Abflüsse, vor allem in hochgelegenen Einzugsgebieten. Wasserkraft, Fischerei und Erholung sind auf zuverlässige Abflussmengen angewiesen. Die Gewässer erfüllen dadurch ökologische, kulturelle und wirtschaftliche Funktionen.