Koexistenz

In der Schweiz verbietet zurzeit ein Moratorium den kommerziellen Anbau von gentechnisch veränderten (GV) Pflanzen. Wissenschaftliche Studien zeigen aber, dass in Zukunft für viele Pflanzenarten ein Nebeneinander von GV-­ und konventionellen Kulturen auch hierzulande möglich wäre.1,2 Die grosse Mehrheit der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten wünscht sich Wahlfreiheit zwischen Lebensmitteln, die mit und ohne GV-Pflanzen hergestellt sind. Deshalb muss eine Vermischung von GV- mit konventionellen Produkten soweit wie möglich eingeschränkt werden. In der Schweiz und in der EU wird eine Vermischung von GV- mit konventionellen Produkten bis zu einem Grenzwert von 0,9 Prozent toleriert.

Eine Vermischung von GV-Produkten mit konventionellen Produkten kann verschiedene Ursachen haben:

  • Auskreuzung: Pollen von GV-Pflanzen können konventionelle Blüten im Nachbarfeld bestäuben
     
  • Durchwuchs: GV-Pflanzen aus dem Vorjahr können in die neu eingesäte, konventionelle Kultur einwachsen
     
  • Erntegut kann bei Ernte, Transport oder Verarbeitung vermischt werden

Das Risiko für solche Vermischungen ist je nach Nutzpflanzenart unterschiedlich. Deshalb ist es erforderlich, für die einzelnen Arten unterschiedliche Massnahmen festzulegen. Diese sollten auf wissenschaftlicher Basis beruhen und den Besonderheiten der einzelnen Betriebe angepasst werden können.

Massnahmen zur Sicherung der Koexistenz

Verschiedene Massnahmen können eine Vermischung von GV- und konventionellen Produkten reduzieren. Viele davon werden bereits heute in anderen Systemen, z.B. im Biolandbau, zur Abgrenzung von anderen Produktionsformen erfolgreich angewendet oder bei der Saatgutproduktion eingesetzt.

Mögliche Massnahmen sind:

  • Geeignete Fruchtfolgen und Anbaupausen verhindern Probleme mit dem Durchwuchs
     
  • Isolationsabstände, Pufferzonen und natürliche Barrieren reduzieren das Risiko von Auskreuzungen
     
  • Eine konsequente Reinigung oder getrennte Nutzung der Ernte- und Transportmaschinen verhindert die Vermischung der Ernteprodukte
     
  • Separate Verarbeitung und Trennung bei der Weiterverarbeitung und im Handel verhindert die Vermischung von Produkten

Für viele Pflanzenarten – z.B. Mais, Weizen, Zuckerrüben und Kartoffeln – reichen diese Massnahmen aus, um ein Nebeneinander von GV- und nicht-GV-Kulturen zu ermöglichen.Bei Kartoffeln zum Beispiel können Auskreuzungen nicht zu einer Vermischung führen, da nicht die Samen, sondern die Knollen gegessen werden. Auch für die Vermehrung von Kartoffeln werden die Knollen verwendet. Vermischungen aufgrund von Durchwuchs in Folgekulturen können mit einer Anbaupause von 2-4 Jahren stark verringert werden. Schliesslicht lässt sich eine Vermischung bei der Ernte, dem Transport und der Verarbeitung dank der Grösse der Kartoffelknollen relativ einfach einschränken.

Einige wenige andere Arten hingegen – insbesondere der Raps – gelten für viele Expertinnen und Experten in der Schweiz zur Zeit als nicht koexistenzfähig. Rapspollen können durch Wind und Insekten über weite Distanzen transportiert werden und wurden schon in 20 km Entfernung vom Feld beobachtet. Zudem kann Raps auswildern und sich mit verwandten Wildarten kreuzen. Rapssamen überwintern sehr gut im Boden und können so in Folgekulturen zu Vermischungen führen. Deshalb wäre  der Raps von einer zukünftigen Koexistenzregulierung höchstwahrscheinlich ausgeschlossen.

Kosten der Koexistenz

Wie teuer eine konsequente Trennung von GV- und konventionellen Kulturen sein wird, lässt sich nicht einfach beantworten. Denn die Kosten hängen neben regionalen und betrieblichen Faktoren  in erster Linie von den zukünftigen gesetzlichen Vorschriften ab. Im Vergleich zu den übrigen Anbaukosten werden sie allerdings als eher gering eingeschätzt (weniger als 10 Prozent der Gesamtkosten).3
 

Referenzen

(1) Schweizer R, Errass C, Kohler S (2012) Koexistenz der Produktion mit und ohne gentechnisch veränderte Organismen in der Landwirtschaft. DIKE Verlag AG Zürich. Link

(2) Sanvido O, Widmer F, Winzeler M, Streit B, Szerencsitz E, Bigler F (2005) Koexistenz verschiedener landwirtschaftlicher Anbausysteme mit und ohne Gentechnik. Schriftenreihe der FAL 55. Link

(3) Albisser Vögeli G, Burose F, Wolf D, Lips M (2011) Wirtschaftlichkeit gentechnisch veränderter Ackerkulturen in der Schweiz: Mit detaillierter Berücksichtigung möglicher Koexistenz-Kosten, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART). Link

Weitere Themen

Kartoffeln mit Resistenz gegen Kraut- und Knollenfäule

Potentielle Sorten für die Schweiz

Gewisse gentechnisch veränderte Sorten könnten in der Schweiz zu einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen.

Wissenschaft und Politik (P. Blanc)

Politik und Recht

Ein Moratorium verbietet zur Zeit den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen, der Import von gewissen Produkten ist aber erlaubt.

honigbiene insekt

Umwelt

Gewisse gentechnisch veränderte Sorten können mit dem richtigen Management zu einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen